Viszerales Lauschen

die Sprache der Organe verstehen

Jedes Organ hat seine eigene Bewegung, seinen eigenen Takt, seine eigene Geschichte. Im Viszeralen Lauschen legt sich die Hand auf, ohne etwas zu wollen, und wartet, bis sich zeigt, was da ist. So entsteht kein Befund, sondern eine Begegnung, in der das Organ den Weg zeigt und die Hand ihm folgt.


Die Säulen des Viszeralen Lauschen

Anatomisches Wissen

Ein tiefes Verständnis der Anatomie, Physiologie und embryologischen Entwicklung bildet das Fundament, ergänzt durch die eigene Erfahrung am eigenen Leib. Nur wer die Strukturen kennt und selbst gespürt hat, kann erkennen, was sich unter der Hand zeigt.


Geschulte Wahrnehmung

Im Lauschen, Wahrnehmen, Staunen, Sinken zeigt sich, was wirklich ist. Es ist kein Vergleichen mit dem Lehrbuch, kein Abgleich mit einem Soll-Zustand. Was sich zeigt, wird angenommen, im Staunen, nicht in der Bewertung.

Sieben Ebenen tragen das Lauschen: die physische, die neurale, die emotionale, die energetische, die metaphorische, die poetische und die spirituelle. Was wahrgenommen wird, entsteht im Kontakt von Leib zu Leib.

Die Haltung der Praktizierenden

Sanftheit, Rücksichtnahme, Begleiten, Zeugenschaft treten an die Stelle des Machens und Wollens. Die Klarheit der Praktizierenden darüber, welche inneren Anteile gerade aktiv sind, lässt sie bemerken, wenn eine Agenda entsteht.

Die Begegnung in der Berührung

Die Arbeit kennt zwei Wege, einen stillen, in dem alles im Wahrnehmen geschieht, und einen körperlichen, in dem die Hand mobilisiert und dem Gewebe folgt. Beide Wege können auch einladen, in Bereiche zu gehen, die sonst gemieden werden. Was sich zeigt, entscheidet, welcher Weg gegangen wird.


Das Besondere am Viszeralen Lauschen

Das Viszerale Lauschen vertraut auf die inhärente Weisheit des Körpers. Die Praktizierenden verstehen sich als Begleiter, statt als Wegweiser.

Der Name trägt die Methode

Viszeral ist hier doppelt besetzt, das Organ, dem gelauscht wird, und der eigene Leib, mit dem gelauscht wird. Erkennen geschieht nicht, weil eine Hand etwas Fremdes misst, sondern weil zwei Leiber aus demselben Stoff sind. Im Viszeralen Lauschen ist die Praktizierende kein neutrales Instrument, sie ist selbst Teil dessen, was erkennt.

Der Dialog als Heilungsweg

Im Viszeralen Lauschen entsteht ein Dialog zwischen Praktizierender, Klientin und Organ. Aus diesem dreiseitigen Austausch kann sich lösen, was vorher fest war, weit über das Körperliche hinaus.

Mobilisierung, nicht Manipulation

Mobilisierung folgt dem, was das Gewebe anbietet. Die Hand bewegt sich aus dem Lauschen heraus, im Rhythmus dessen, was sich bereits zeigt. So entsteht Bewegung, die das Gewebe als seine eigene erkennt, nicht als von außen auferlegt.

Organe als Träger der Lebensgeschichte

Organe sind nicht nur physische Struktur, sie tragen Lebensgeschichte. Die Leber kann Wut speichern, die Lunge Trauer, das Herz unerfüllte Sehnsucht. Was sich darin zeigt, wird nicht geholt und vorgezeigt. Es wird bezeugt und angenommen.

Genauigkeit als Spiegel

Die Wahrnehmung folgt dem Gewebe und seinem Tempo. Wahrgenommenes wird nicht interpretiert oder gedeutet. Die Schritte des Viszeralen Lauschens werden eingehalten und nicht übersprungen. Die Einhaltung dieser Genauigkeit hilft zu erkennen, wenn ein eigener Anteil etwas erreichen will. So wird die Sorgfalt der Berührung selbst zum Spiegel der eigenen Klarheit.


Wahrnehmung im Viszeralen Lauschen

Die Hände nehmen wahr, ohne zu bewerten oder zu verändern. Dieser respektvolle erste Kontakt schafft einen sicheren Raum, in dem sich das Organ zeigen und seine Geschichte erzählen kann. Basierend auf dem, was wahrgenommen wird, entwickelt sich die Sitzung. Manchmal braucht ein Organ sanfte, lauschende Berührungen, die ihm erlauben, seinen eigenen Weg zurück zur eigenen Ordnung zu finden. Ein anderes Mal sind körperliche, mobilisierende Kontakte gefragt, um festgehaltene Muster zu lösen. Die Kunst liegt darin, zu spüren, was gerade gebraucht wird um dann Selbst geführt zu handeln.

Die Wahrnehmungsebenen im Viszeralen Lauschen

  • erspüren von Gewebequalität (physisch)
  • wahrnehmen des autonomen Nervensystems (neuronal)
  • registrieren gespeicherter Emotion (emotional)
  • energetisches Gewicht wahrnehmen (energetisch)
  • metaphorische Bedeutung verstehen(metaphorisch)
  • sich der poetischen Schönheit bewusst sein(poetisch)
  • die tiefere Weisheit erkennen und ehren(spirituell)

Für Klienten

Eine Sitzung im Viszeralen Lauschen beginnt meist mit einem ausführlichen Gespräch. Es ist Zeit, Deine Geschichte zu hören, nicht nur die Aufzählung Deiner Symptome, sondern die des ganzen Menschen. Die eigentliche Sitzung findet in bequemer Kleidung auf einer Behandlungsliege statt.

Die Berührungen sind sanft und respektvoll. Du bist eingeladen, wahrzunehmen, was in Deinem Körper geschieht. Manche Menschen spüren Wärme, Bewegung oder emotionale Regungen. Andere erleben tiefe Entspannung. Jede Erfahrung ist richtig und wichtig.

Für Praktizierende

Die Ausbildung im Viszeralen Lauschen ist ein Weg der persönlichen und professionellen Entwicklung. Sie umfasst:

Selbsterfahrung: Bevor wir die Organe anderer berühren, lernen wir unsere eigenen kennen. Durch Embodiment-Übungen, Meditation, Aufstellungsarbeit, das szenische Nachvollziehen embryologischer Entwicklung und Bewegung entwickeln wir eine tiefe Verbindung zu unserer eigenen inneren Welt.

Anatomisches Studium: Mit lebensgroßen Body-Maps, anatomischen Modellen und praktischem Üben entwickeln wir ein dreidimensionales Verständnis der Organstrukturen.

Wahrnehmungsschulung: Durch vielfältige Übungen verfeinern wir unsere Tastwahrnehmung und lernen, die sieben Ebenen des Viszeralen Lauschens zu erfassen.

Therapeutische Fertigkeiten: Vom stillen Lauschen bis zur präzisen Mobilisation erlernen wir ein breites Spektrum, um dem Gewebe zu begegnen, vom Wahrnehmen bis zur Bewegung. Was sich darin löst, löst sich, weil es endlich gehört wurde.

Integration: Meditation, Reflexion und Teilearbeit helfen, das Gelernte zu integrieren. So entwickelt sich die eigene Persönlichkeit als Praktizierende, im Kennenlernen der eigenen inneren Anteile.

Ausbildung: Viszerales Lauschen

Ein Modell eines menschlichen Torsos. Die obere Hälfte des Bildes ist schwarz-weiß, die untere farbig.

Im Viszeralen Lauschen lauschen wir der Melodie der Organe. Wir gehen in Beziehung zu den Organen unserer Klientinnen, sodass sie wieder und stärker in Beziehung zu sich selbst gehen können.

Ein Teil des Kurses wird die Beschäftigung mit der Anatomie sein, denn nur ein Organ, dessen Lage und Aussehen vertraut ist, kann sich uns in der Palpation darstellen. Im Rahmen der Anatomie spielen die Embryologie, die nervale Versorgung, die ligamentäre Aufhängung, die direkten Nachbarn und die Fernbeziehungen wichtige Rollen, um die Melodie eines Organes zu verstehen. Die Anatomie wird in einem Mix aus PowerPoint-Präsentation, Anatomie-Modellen und kreativem Ausdruck erarbeitet.

Die viszerale Diagnostik mit Global Listening, Local Listening und Thermografie wird intensiv geübt und kann unser Repertoire der Craniosacralarbeit ergänzen.

In dieser Kursreihe sind Elemente der viszeralen Osteopathie, der viszeralen Manipulation und biodynamische Elemente mit Craniosacraler Arbeit vereint. Im Wechsel zwischen stillem Lauschen auf die Rhythmen der Organe und den intensiveren Techniken der Mobilisation werden wir in die Tiefe der viszeralen Berührungen eintauchen.

Einführungskurs

Dieser Kurs ist Voraussetzung für den Besuch der Modulkurse
In diesem Einführungskurs nähern wir uns gemeinsam den Grundlagen des Viszeralen Lauschen, sowohl fachlich als auch über die eigene Wahrnehmung. Ihr lernt, wie Mobilität und Motilität der inneren Organe spürbar werden und wie sich Bewegung in unterschiedlichen Qualitäten zeigt. Wir erkunden die sieben Ebenen der viszeralen Wahrnehmung und üben die Sequenz der Berührung, Schritt für Schritt und mit viel Raum für eigene Erfahrungen. Daneben geht es um viszerosomatische und somatoviszerale Reflexe, um Indikationen und Kontraindikationen sowie um grundlegende Tenderpoint-Techniken. Ein zentraler Teil des Kurses ist die Phänomenologie der viszeralen Wahrnehmung, also die Frage, was wir unter unseren Händen tatsächlich wahrnehmen und wie wir dem einen Sinn geben können. Auch die innere Haltung als Praktizierende kommt zur Sprache, denn sie prägt jede Berührung mit.

Der Einführungskurs bereitet die Teilnehmenden auf die Modulkurse vor und ist deren Voraussetzung. Einmal besucht, öffnet er den Zugang zu allen Modulen. Gleichzeitig eignet er sich auch wunderbar zur Auffrischung oder um die eigene Wahrnehmung neu zu erkunden, ganz unabhängig davon, ob im Anschluss ein Modulkurs besucht wird. Vor jedem Modulkurs ist ein Einführungskurs eingeplant. Wer einen Termin außerhalb dieses Rhythmus wünscht, ist herzlich eingeladen, mich direkt anzusprechen, dann finden wir gemeinsam eine passende Lösung.

Termine: 21. Oktober 2026, 29. Januar 2027, 14. April 2027

ZIELGRUPPE Craniosacral Praktizierende, Osteopathen, Physiotherapeuten
ORT Buchholz in der Nordheide
Preis 100,-€

Freie Plätze: 5 von 6


Thorax

Herz – Lunge – Autonomes Nervensystem
Raum für Atem und Sein
Im Brustkorb wohnen zwei der bedeutsamsten Organe unseres Lebens: das Herz als Mitte unseres Seins, die Lunge als Ausdruck unserer Verbindung zur Welt. Hier, wo Atem und Herzschlag im ewigen Dialog stehen, entfaltet das Viszerale Lauschen eine besondere Tiefe.

In diesem Kurs lernst du, Herz, Lunge und der ganzen Architektur des Thorax feinfühlig zu lauschen und zu begleiten. Wir arbeiten mit dem Zwerchfell als Grenzgänger zwischen zwei Welten und erkunden das autonome Nervensystem.

ZIELGRUPPE Craniosacral Praktizierende, Osteopathen, Physiotherapeuten
ORT Buchholz in der Nordheide
TERMIN 22.-25. Oktober 2026
Preis Frühbucher 400,-€
Spätbucher ab 23.09.2026 450,-€


Freie Plätze: 5 von 6

Urogenitalsystem

Urogenitalsystem – Nieren, Blase, Fortpflanzungsorgane
– Die Wasser des Lebens –

In Becken und Bauchraum liegen die Organe der Reinigung, des Sammelns und der Schöpfung: die Nieren, die Blase, die Fortpflanzungsorgane. Sie sind aus demselben embryonalen Gewebe entstanden und bleiben durch ihre Funktion verbunden, was die eine reinigt, sammelt die andere, was die dritte hervorbringt.

In diesem Kurs lernst du, diesem System feinfühlig zu lauschen und es zu begleiten. Wir arbeiten mit den Nieren auf dem Psoas, mit der Beweglichkeit der Blase und ihrer Aufhängung, und mit den Fortpflanzungsorganen in der besonderen Intimität, die ihnen eigen ist. Tenderpoint-Techniken der Lendenwirbelsäule und die Arbeit mit dem Beckenboden ergänzen den Kurs, ebenso die Frage, wie diese Arbeit die Empfängnis neuen Lebens unterstützen kann.

ZIELGRUPPE Craniosacral Praktizierende, Osteopathen, Physiotherapeuten
ORT Buchholz in der Nordheide
TERMIN 28. – 31. Januar 2027
Preis Frühbucher 400,-€
Spätbucher ab 1.1.2027 450,-€

Freie Plätze: 5 von 6

Abdomen

Abdomen  – Verdauungssystem und Milz
– Der Tanz der Wandlung –

Im Bauchraum wird die Welt, die wir aufnehmen, zur eigenen Substanz. Der Magen weist zurück, was sich nicht wandeln lässt. Die Leber verwandelt unermüdlich Fremdes in Eigenes. Der Dünndarm trennt auf sieben Metern das Nährende vom Überflüssigen, der Dickdarm lehrt das Loslassen.

In diesem Kurs lernst du, dem ganzen Verdauungssystem feinfühlig zu lauschen und es zu begleiten, von Magen und Pankreas über Leber und Dünndarm bis zum Colon. Wir arbeiten im Wechsel aus stillen, lauschenden Berührungen und deutlichen, mobilisierenden Kontakten und üben das feine Gespür dafür, welche Arbeitsweise eine Situation gerade braucht. Der Milz räumen wir den ihr gebührenden Platz ein: Sie teilt sich den Raum mit dem Verdauungssystem, gehört aber nicht dazu und wird darum oft übersehen.


ZIELGRUPPE Craniosacral Praktizierende, Osteopathen, Physiotherapeuten
ORT Buchholz in der Nordheide
TERMIN 15. – 18. April 2027
Preis Frühbucher 400,-€
Spätbucher ab 15.3.2027 450,-€

Freie Plätze: 5 von 6

Zur Buchung eines Kurses schreibt mir bitte eine eMail an Viszeral@Doerffling.de

Die von mir eingesetzten Diagnose- und Therapieverfahren sind wissenschaftlich nicht anerkannt und nicht durch Studien belegt. Sämtliche Angaben zu ihrer Aussagekraft und Wirkung beruhen auf Erfahrungen und Beobachtungen aus der therapeutischen Praxis.